Frauenpolitik
Leserinnenbriefe unserer Mitarbeiterinnen zu politischen Themen
Thema "Häusliche Gewalt"
Sehr geehrter Standard!
Wir bitten um Veröffentlichung folgender Stellungnahme zum Artikel von Prof. Amendt (vom 3.1.2008)
Gerne würden wir den Standard für die Veröffentlichung des ausgesprochen unseriösen Artikels zum Thema
"Häusliche Gewalt" von Prof. Amendt kritisieren, wäre nicht in der selben Ausgabe genau dieses
Standards auch die Antwort auf dieses von narzisstischer Kränkung und Realitätsverleugnung triefenden
Pamphletes zu lesen. Auf Seite 2 derselben Ausgabe erscheint mir die beste Antwort bereits abgedruckt
"Männer machen sich vor, keine Täter zu sein" heißt es da und das ist es auch, was Studien belegen
(z.B. Witt-Löw/Breiter 1995) und im Beratungsalltag von psychosozialen Zentren sichtbar wird. Selbst
verurteilte und inhaftierte Gewalttäter, deren Opfer entweder nicht mehr leben oder an den Folgen von
schweren Verletzungen leiden, orten die Verantwortung für ihre Taten mit großer Mehrheit bei den Opfern
oder anderen Personen.
Es ist keine Frage, dass nicht alle Männer gewalttätig sind - Gott sei Dank nicht! Und die Arbeit von
engagierten Männern in Männerberatungsstellen und anderen Institutionen, die darauf abzielt, einen anderen
Umgang mit Aggressionen, Konflikten zu entwickeln, die eine Änderung eines allzu klischeehaften
Rambo-Männlichkeitsbildes herbeiführen wollen, ist ungemein wichtig. Dennoch zeichnet unsere Gesellschaft
ein mehrheitlich männliches Gewaltpotential aus, das nicht nur gegen Frauen und Kinder, sondern, das sollte
nicht ignoriert werden, vor allem auch gegen Geschlechtsgenossen gerichtet ist. Männliche Gewalt spiegelt
sich auch in den Ausgaben für Exekutive, Gerichte, Gefängnisse und nachfolgende Betreuungsorganisationen,
die zum überwiegenden Teil für Männer finanziert werden müssen. Eine pseudowissenschaftlich-argumentierte
Kritik an Aufklärungskampagnen des Frauenministeriums wird nicht zur Verbesserung der Situation beitragen
und das, obwohl die Zusammenarbeit möglichst aller Frauen und Männer in diesem Bereich so wichtig wäre.
Katja Russo, Frauenberatung Wien
Feminismus ist strategische Vielfalt und politische Notwendigkeit
Geschlecht wirkt immer noch als sozialer Platzanweiser: vom runden Drittel weniger Bezahlung für die
gleiche Arbeit über die gläserne Decke, die Verteilung von unbezahlter Erziehungs- und Pflegearbeit und
der (Selbst-)Zurichtung weiblicher Körper dem männlichen Blick entsprechend bis zur Gewalt von Männern
gegen Frauen in Paarbeziehungen sowie als Kriegsstrategie. - Dagegen interveniert Feminismus.
Ein strategisches "Wir-Frauen" ist nach wie vor politisch nötig, eine offene Bündnispolitik
trägt in ihrer Vielfalt an Stimmen und Strategien zur Schaffung gerechter Verhältnisse bei. Die Bandbreite
reicht dabei von Simone de Beauvoir über Johanna Dohnal bis zu den riot grrrls und queeren Ladyfesten
Feminismus erhebt Einspruch gegen die neoliberale Vereinzelung und Konkurrenz ("jede Powerfrau-Ich-AG
kann alles erreichen", "etwas nicht schaffen" bedeutet persönliches Versagen) und setzt - in
Anerkennung der Differenzen zwischen Frauen - auf Frauensolidarität mit dem Ziel der konkreten Verbesserung
der Lebensbedingungen von Frauen.
Zwei aktuelle - einander ergänzende - feministische Strömungen lassen sich ausmachen: Die identitäts- und
anerkennungspolitische Haltung fordert die Anerkennung von Differenzen und vielfältigen Lebensentwürfen -
jenseits der Binarität männlich - weiblich. Die interessens- und verteilungspolitische Haltung fordert
entgegen der sich neu formierenden Ungleichheit die gerechte Umverteilung von Macht und Ressourcen.
Bettina Zehetner für Frauen beraten Frauen, Wien
erschienen auf diestandard.at im Dez. 2007
www.frauenberatenfrauen.at
Wir bieten Frauen seit 26 Jahren eine nicht-pathologisierende, multiperspektivische, parteiliche Haltung
und beziehen den gesamten weiblichen Lebenszusammenhang in die Beratung mit ein. Unser Ziel ist die
Erweiterung der Handlungsfähigkeit und Kompetenz von Frauen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
LeserInnenbrief zu: "Psychokrieg" über die Nachfolge von
Klinikchef Katschnig - von Robert Buchacher (Profil 19/2006)
Bei diesem Artikel muss ein Subtext mitgelesen werden: Es geht um Konkurrenz und Macht an der Uniklinik
Wien. Dazu sollten wir mitbedenken, dass der Frauenanteil unter den Uni-ProfessorInnen nur bei ca. 6% liegt.
Nun wagt u.a. eine Frau diese ab Herbst 2007 vakante Machtposition in der Psychiatrie zu begehren. Was mich
in Ihrem Artikel u.a. so empört ist die entwertende Beschreibung der Frau. Nicht nur, dass auf ihren Vater
abgelenkt wird - können Sie eine Frau nicht als eigenständiges Wesen sehen? - und ihr Wissenschaftlichkeit
abgesprochen wird. Nein, ihr wird vorgeworfen, dass sie Machtgelüste hat. Natürlich hat sie diese, aber
auch alle aufschreienden Herren!
Das alles reicht verdammt nach Scheiterhaufen - auch im Jahre 2006 - und Mobilisierung gegen Frauen in
Führungspositionen in der Medizin. Und Profil als Medium lässt sich dafür verwenden.
Mag.a Traude Ebermann, Wien
(abgedruckt: Profil 20/2006)
LeserInnenbrief zu: GOOD NEWS: Helmut A. Gansterer: "Eine Muse namens Marie".
Über Künstler, Tapferkeit und Geld. (Profil 17/2006)
Bemerkenswert! Sie schaffen es eine an sich gut reflektierte Seite über künstlerisches Schaffen zu
verfassen ohne auch nur eine Künstlerin zu erwähnen. Die einzige und leider entwertende Bemerkung
findet sich über eine Malweise wie "desperate housewives".
Wahrlich keine "good news" für Ihr Blatt! Es widerspiegelt leider allzu sehr eine alltägliche
Ignoranz für den Kunstmarkt in seiner Vielfalt.
Wie wäre es mit einer Wiedergutmachung durch einen Artikel? Beispielsweise über: Wenn Künstlerinnen
die Muse küsst - trotz "Desparate (House-)Men" und fehlender Marie.
Mag.a Traude Ebermann
Verein "Frauen beraten Frauen", Wien.