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BuchcoverIrene Berkel (Hg.in):

Postsexualität.
Zur Transformation des Begehrens.
Gießen. 2009. Psychosozial-Verlag
http://www.psychosozial-verlag.de/

Robert Pfallers Artikel "Strategien des Beuteverzichts. Die narzisstischen Grundlagen aktueller Sexualunlust und Politohnmacht" thematisiert eloquent die gesellschaftspolitischen Aspekte des Themas Postsexualität. Auf die pentrante Sexualisierung des öffentlichen Raums folgen Überforderung, Verweigerung und somit Entsexualisierung privater Lebensformen. Von der Intimisierung zur Privatisierung führen die Bekenntnis-TV-Shows, die vormals schambesetzte Asexualität als neuestes Produkt und Aufmerksamkeit garantierendes Identitätsangebot vermarkten.
Jean Clam bezieht sich in seinem Text "Lässt sich postsexuell begehren? Zur Frage nach der Denkbarkeit postsexueller Begehrensregime" ausschließlich auf ein blickorientiertes Begehrenskonzept. Hier fehlt der frauenspezifische Blick, um dieser Reduktion alternative Begehrensorientierungen entgegenzustellen.
Marcus Stiglegger zeigt in "Fe/Male Transgressions. Überschreitungen der Geschlechtergrenzen in den Filmen von David Cronenberg und Monika Treut" spannende Beispiele für Geschlechtergrenzen- Überschreitungen: Monika Treuts Dokumentation "Gendernauts" über zwischen den Stereotypen ihre eigene Ausgestaltung von Geschlecht lebende Personen sowie David Cronenbergs "Crash" und vor allem "M. Butterfly" über die Selbstinszenierung als das begehrenswerte Andere. Empfehlenswert auch Ursula Neugebauers Artikel "In und außer sich. Von der An- und Abwesenheit des Körpers" über Kunstprojekte, die sich mit Gender-Transgressionen auseinandersetzen und Christina von Brauns gewohnt fundierter Beitrag "Postsexualität. Die symbolische Geschlechterordnung in den drei Religionen des Buches".
Die post-dichotome Veruneindeutigung und Vervielfältigung der Geschlechterperformanzen nach dem einschränkenden "entweder männlich - oder weiblich" bietet enorme Entwicklungschancen, auch und gerade für die psychoanalytische Theorie und Praxis.
Die feministische und queer-theory hat dazu noch viel zu sagen.

Bettina Zehetner

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