Rezensionen
Orbach, Susie:
Bodies. Schlachtfelder der Schönheit.
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann.
Arche Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-7160-2631-1
http://www.arche-verlag.com/
"Bodies" ist das neueste Buch der britischen Psychoanalytikerin, Feministin und Autorin Susie Orbach. Seit
1978 bringt Susie Orbach wiederholt Bewegung in die Frage der (weiblichen) Leiblichkeit. Sie beeindruckte u.a. bereits
mit ihren Büchern: "Antidiätbuch 1 + 2" (1978/1985), "Hungerstreik. Ursachen der Magersucht. Neue Wege
zur Heilung" (1987) oder auch "Intime Beziehungen, schwierige Gefühle" (2001).
"Wie die meisten Menschen mit Internetzugang finde ich tagtäglich in meiner Mailbox Aufforderungen, mir den Penis
verlängern oder die Brüste vergrößern zu lassen, das Lust- und Potenzsteigerungsmittel Viagra zu erwerben, das neueste
pflanzliche oder pharmazeutische Mittel zur Gewichtsreduktion auszuprobieren. Diese Ermunterungen überlisten den
Spamfilter […] Unterdessen können kleine Mädchen auf die Miss-Bimbo-Website gehen, um eine virtuelle Puppe zu kreieren,
sie mittels Diätpillen ultraschlank zu halten und ihr Brustimplantate und Faceliftings zu spendieren. […] Gleichzeitig
warnen uns staatliche Stellen vor einer Fettleiblichkeitsepidemie. Dein Körper, rufen uns alle diese Phänomene zu, ist
dein Kunstwerk, das es zu korrigieren, umzumodeln und zu verbessern gilt. Macht Mit! […] Gehöre dazu!" (2010, S. 7f).
Mit diesen Worten eröffnet Susie Orbach ihre spannenden Ausführungen über die Konstruktion unserer Körper. Sie beschäftigt
sich in dem Buch mit Fragen darüber, was in unserer Zeit mit dem Körper geschieht und warum. Warum sich zunehmend Menschen
– vor allem Mädchen und Frauen – in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlen? Wie es zu unserem Empfinden kommt, dass unser Körper
ständiger Neugestaltung und Aktualisierung bedarf und dies für uns ein Ausdruck von Selbstwertschätzung ist? Wie hängen
Körpersinn und Körperbewusstsein mit der familiären und kulturellen Körpergeschichte zusammen?
In den letzten Jahren haben uns durch die Globalisierung eine Flut an Bildern eines idealen, perfekten westlichen
Körpers von Frauen und Männern überschwemmt. Orbach hält fest, dass jede/r von uns wöchentlich zwischen 2000 und 5000
Bildern von Körpern ausgesetzt ist, die durch digitale Bearbeitung idealisiert wurden.
Parallel dazu sind Phänomene wie vielfältige Körperdysmorphe Störungen, Essstörungen (u.a. auch Prägnorexie), ebenso wie
Diäten und Schönheitsoperationen usw. explosionsartig gestiegen. All diese Phänomene versucht Susie Orbach in einen
größeren Zusammenhang zu stellen. Ihre Überlegungen führen sie zu der These, dass der Körper nicht mehr etwas im Grunde
Stabiles ist. So plädiert sie für den Ausbau einer Entwicklungstheorie des Körpers.
"Bodies. Schlachtfeld der Schönheit" von Susie Orbach stellt kulturelle, gesellschaftliche und familiäre Beweggründe
dar, die zum heutigen Umgang mit dem Körper und einer damit einhergehenden Körperinstabilität beitragen. Ausgehend von
der Verbindung all dieser Perspektiven eröffnet Orbach wie es gelingen kann, "dass der Körper für uns eine Grundlage wird,
aus der heraus wir leben können, statt eines Projektes, das es ständig zu verfolgen gilt" (S.180) Orbach gelingt es mit
diesem Buch neue Anregungen und Impulse zu setzen. Darüber hinaus fordert sie auf neu und grundlegender über den Körper
nachzudenken.
Julia Fritz