Rezensionen
Hildegard Steger-Mauerhofer:
Halbe/Halbe - Utopie Geschlechterdemokratie?
Milena Verlag Wien 2007 -
www.milena-verlag.at
"Ganze Männer machen Halbe / Halbe" - mit dieser Kampagne erregte Frauenministerin Helga Konrad
1995 Aufsehen. Vom Beifall über die längst fällige Neuverteilung der Hausarbeit bis zu Aufschreien der Empörung,
der Staat dürfe sich nicht ins "Private" einmischen, die Polizei könne nicht den Abwasch kontrollieren.
Hinter dem Zorn wurde die Angst vieler Männer sichtbar, wenn sie sich herabließen abzuwaschen, als
"Schürzenträger" zu gelten und damit Macht zu verlieren.
Männer, die ihre Partnerin als emotionale Versorgerin und das von ihr allein gepflegte Zuhause als
Erholungsgebiet betrachten, fühlten sich in Ihrer Männlichkeit bedroht. Die Arbeit im trauten Heim sollte
unsichtbar bleiben und von der Gattin aus Liebe getan werden.
Die Autorin zeichnet die Erfolge der politischen und medialen Kampagne ebenso wie die Behinderungen und
Entschärfungen des ursprünglich geplanten Gesetzesentwurfs durch parteipolitische Machtkämpfe und konservative
Berichterstattung anschaulich und kompakt nach. Zwei unbestrittene Erfolge der Kampagne werden deutlich:
1. Österreich redete über die Verteilung und Anerkennung der (hauptsächlich von Frauen unbezahlt geleisteten)
Versorgungsarbeit, nach wie vor wirksame patriarchale Denkmuster wurden zur Sprache gebracht und bis heute ist
das Motto "Halbe / Halbe" im kollektiven Bewusstsein verankert.
2. Die Reform des Ehegesetzes: $ 91 ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch): enthält den Auftrag an die
Ehepartner, ihre Lebensgemeinschaft einvernehmlich zu gestalten, hinzugefügt wurde die Zielvorgabe "der
vollen Ausgewogenheit der Beiträge". Ehefrauen können sich im Sinne der gerechten Neuverteilung der
Arbeitsbelastung auf dieses Gesetz berufen und die Nichtbeteiligung am Haushalt und Versorgungstätigkeiten
wie Pflege und Erziehung kann im Scheidungsfall als Verschulden zum Tragen kommen. Die gesetzliche Grundlage
für die partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit ist geschaffen, nun liegt es an der praktischen
Anwendung dieses Gesetzes.
Laut AK-Frauenbericht 2005 beträgt die Arbeitsbelastung von berufstätigen Frauen mit Kindern und (Ehe)Partner
71,8 Stunden pro Woche. Bei allein erziehenden berufstätigen Müttern liegt die Gesamtbelastung mit 68,5 Stunden
pro Woche unter jenen von Müttern in Partnerschaften. Offensichtlich verursachen männliche Partner mehr an
Hausarbeit als sie diesen abnehmen. Für eine gerechte Umverteilung von Macht, Geld und Arbeit gilt es weiterhin
die Strategien von Konfliktbereitschaft und Bündnisfähigkeit miteinander zu verknüpfen und diese in
Frauennetzwerken konsequent zu praktizieren.
Das Buch ist gut recherchiert und bietet einen detailreichen Einblick in den Umgang der österreichischen
Parteien mit frauenpolitischen Anliegen. Die Analyse der Kampagne "Halbe/halbe" zeigt den mühseligen,
von Kompromissen gekennzeichneten Weg von der politischen Forderung bis zur konkreten Gesetzesänderung und den
Umgang der österreichischen Printmedien mit dem kontroversen Thema. Ein Vorwort von Sieglinde Rosenberger
und ein Nachwort von Helene Klaar runden die Recherche ab.
Bettina Zehetner